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Worte. Alles ist vergänglich. Nichts bleibt. Was bleibt, ist Nichts. Und im Nichts ist alles enthalten. Und wie hier im Bild die Worte im Meer versinken, so werden auch diese meine Texte hier nur für eine Weile zu lesen sein. Dann werden sie gehen. Dann werden sie zu Worten, die im Meer versinken. Zu Texten in den Wind.

17.01.2020

Der verrückte Onkel

Freiheit ist, wenn es dir schnurzpiepegal ist, was andere über dich denken. Andere Menschen denken so oder so was sie wollen und du hast überhaupt keinen Einfluss darauf. Es sind ihre Gedanken und du kannst niemals ihre Gedanken steuern, verhindern oder schön machen können.

Viel zu oft noch werden wir von unseren Mustern und Programmen gesteuert und geprägt und dies den ganzen Tag. Da spricht unaufhörlich eine Stimme im Kopf, was du tun und lassen sollst, was sich gehört oder eben nicht, wie du zu sein hast, damit dich andere so annehmen, wie du gerne möchtest. Dieser verrückte Onkel sitzt den ganzen Tag auf deiner Schulter und plappert ohne Punkt und Komma.... Und wehe denn, wenn du abweichst von der 0815 Variante, dann hat dich niemand mehr lieb. Sagt dieser verrückte Onkel. Dann wirst du einsam und allein den Rest deines Lebens verbringen müssen, ausgestossen, ausgelacht, nicht ernst genommen. Sagt dieser verrückte Onkel. Mein lieber Onkel! Du übertreibst masslos.

Angepasst

Dann doch lieber angepasst und in eine Form gepresst dein Leben verbringen. Nie anecken, immer schön geradeaus gehen, geführt von strengen Leitplanken. Kein Anecken links, kein Anecken rechts. Einfach geradeaus. Am besten noch, du wagst keinen Blick rüber ins Paradies, wagst keinen verbotenen Blick zurück. Atmen, das darfst du, aber nur ein wenig. Bitte nicht zu tief. Es könnte deinen verrückten Onkel stören.

Sei du selbst

Schon Oscar Wilde sprach: "Sei du selbst, alle anderen sind bereits vergeben". Ja, dich selbst sein, ein Original, keine angepasste Kopie, die allen gefallen muss, damit sie geliebt und geachtet wird. Einfach du sein, in deiner ureigensten Form. Nicht immer darüber nachdenken zu müssen, was denn nun andere denken, wenn du dieses oder jenes machst, oder dich so oder so gibst. Wenn du nicht du selbst bist, und immer alles so machst, damit du genau den Erwartung der anderen entsprichst, wirst du vielleicht gar leicht wütend feststellen müssen, dass diese anderen Menschen auch dann denken, was sie wollen. Du kannst noch so Liebkind sein, sie reden auch dann über dich, machen dich runter, oder zeigen mit dem Finger auf dich, lachen dich aus. Du wirst enttäuscht sein, wieso sie dich nicht annehmen, wo du doch alles gemacht hast, um der Norm zu entsprechen. Und der verrückte Onkel plappert munter weiter "wusst ich's doch, wusst ich's doch...."

Darum

Darum, sei von Anfang an der, der du bist. Du in deinem wahren Kern. Erziehe deinen verrückten Onkel auf deiner Schulter, spendier ihm ein Eis, geh mit ihm in den Zoo, aber bring ihn einfach zum Schweigen. Sei so, wie das Herz dich formt. Sei von Anfang an ein Original. Ein mutiges Original. Ein Original, das manchmal Angst hat, so rein und unverfälscht zu sein. Aber ein Original, das in den Spiegel schauen kann und richtig glücklich sagen darf: "Hey, das bin ich!"

Und wer bist du?


Text: Silvia Cristini