•  
  •  

Worte. Alles ist vergänglich. Nichts bleibt. Was bleibt, ist Nichts. Und im Nichts ist alles enthalten. Und wie hier im Bild die Worte im Meer versinken, so werden auch diese meine Texte hier nur für eine Weile zu lesen sein. Dann werden sie gehen. Dann werden sie zu Worten, die im Meer versinken. 

Er war einfach da


Es gäbe da ganz viele andere Wege, welche ich gehen könnte mit meinem Hund. Aber oft wähle ich eine meiner Lieblingsstrecken. Dies hat viele Gründe. Es ermöglicht mir Veränderungen der Natur schön zu beobachten. War nicht genau hier vor einer Woche der Waldboden noch unbelebt und mit Laub bedeckt? Und jetzt? In wunderbar hellstem Grün erwacht hier langsam die Natur. Alles wächst und gedeiht. Die Vögel zwitschern auch schon wieder wunderschön und der Stand der Sonne ist schon etwas höher als vor ein paar Wochen. Ich empfange die wärmenden Sonnenstrahlen mit ausgebreiteten Armen, während ich meinen Weg fortsetze.

Ich steuere mein altbekanntes marodes Bänkchen an, ganz nah am Waldrand. Mein Hund kennt meine Absichten bereits und läuft weit voran. Dort wird er bereits freudig begrüsst. Es ist da wie immer dieser alte Mann, welchem ich per Zufall auf einem Spaziergang zum ersten Mal begegnet bin und mit ihm ein Gespräch anfing. Er liebt Hunde. Früher hatte er auch immer einen. Aber er sei nun schon zu alt für einen neuen Hund. Dies sagte er traurig und nachdenklich.
Mein Hund rückte dann etwas näher zu ihm hin, so als wöllte er ihn trösten, worauf der Mann den Hund zu streicheln begann.
Und so kam es, dass ich – ohne mit diesem Mann je eine Zeit abgeacht zu haben – ihm immer wieder per Zufall begegnete. Egal um welche Uhrzeit ich meine Runden drehte, er war da. Und jedes Mal entwickelte sich ein schönes Gespräch und - aber vor allem - eine Kuschelstunde zwischen diesem Mann und meinem Hund. Beide schienen es zu geniessen.

Der Mann kannte die ganze Gegend wie kein anderer und weihte mich in so manche Geheimnisse der Natur und Umgebung ein. Der Abschied war jeweils herzlich und immer im Bewusstsein, dass wir uns wiedersehen – obwohl wir uns nie verabredeten.


Und wieder drehe ich meine Runde mit meinem Hund. Und wieder springt er freudig voran. Voller Erwartung rennt er zum Bänkchen am Waldrand.
Enttäuscht schaut er um sich, dann zurück in meine Richtung. Zu gerne würde ich ihm erklären, dass vor zwei Wochen die Todesanzeige in der Zeitung war.

Kurz vorher haben wir uns noch gesehen, dort oben am Waldrand. Zusammen gelacht und geredet. Und uns wie immer verabschiedet mit den Worten: Auf Wiedersehen - bis zum nächsten Mal!

Ja, auf Wiedersehen! Dort oben, am Waldesrand, in Mitten der Natur, umgeben von Geheimnissen, von denen nur du weisst.....

(Mein Hund ist mittlerweile wieder mit ihm vereint - und ich bin mir sicher, sie treffen sich wieder, dort oben am Waldrand.)

​​​​​​​

Text und Bilder: Silvia Cristini

image-10176953-Handyfotos_1481_-_Kopie-45c48.JPG?1599917600085