•  
  •  

Worte. Alles ist vergänglich. Nichts bleibt. Was bleibt, ist Nichts. Und im Nichts ist alles enthalten. Und wie hier im Bild die Worte im Meer versinken, so werden auch diese meine Texte hier nur für eine Weile zu lesen sein. Dann werden sie gehen. Dann werden sie zu Worten, die im Meer versinken. 


Ungeschützt und ungefragt


Der Sänger Daniel Wirtz nennt es beim Namen. Irgendwo in einem Lied singt er: «Das Leben fickt dich jeden Tag, ungeschützt und ungefragt.»

Nein, es soll hier kein Klagelied werden. Auch kein Opferdasein, das es zu zelebrieren gilt. Nein, es ist schlicht und einfach das unbeantwortete "Warum des Lebens".

Manchmal wird man im Leben mit Situationen konfrontiert, die kaum schmerzlicher sein könnten. Und dennoch wird genau dann Stärke verlangt, gebraucht. Es ist der Blick in den Spiegel, in die Augen des Gegenübers. Wie tief darf ein Schmerz sein, ohne dass die Seele Schaden nimmt? Wann bricht das Herz?

image-7856223-0f8cd940423b4b9fae6168d04b9d00ad.w640.jpg

Wo ist Gott und warum lässt er so manches zu?

Nein. Ich gehöre nicht zu jenen Menschen, die Gott anklagen. Denn er kann nichts dafür. Und es wäre fatal, sich von ihm abzuwenden, wenn man glaubt, dass er alles zulässt oder gar verursacht. All die Kriege, den Hass, die Krankheiten, den Tod. Nein, es wäre falsch sich von ihm abzuwenden. Denn dadurch würde das Leid verdoppelt. Gerade in der dunkelsten Nacht, in der absoluten Finsternis, ist er mehr als sonst wo zu finden. Nur über Leid oder die Liebe findet man zu Gott, so sagt man.

Im tiefsten Leid verbirgt sich eine Schönheit. In den schlimmsten Schmerzen befindet sich ein Licht. Wenn du haltlos umherirrst in der Dunkelheit, wird dir eine Hand gereicht. Wenn du durchnässt und unterkühlt durch die Nacht wandelst und an eine Tür klopfst, wird dir aufgetan.

Meinen Trost finde ich darin, dass ich fest daran glaube, dass wir nur einen Ausschnitt sehen von dem, was wir Leben nennen. Unser Verstand ist zu begrenzt um zu sehen, was sich über dem Tellerrand abspielt. Unser Verstand wird dies nie greifen können, weil er immer alles wissen möchte. Mit Wissen kommen wir nicht weiter. Mit Nichtwissen jedoch schon.

Andere Kulturen sehen dies weitaus entspannter. Sie feiern den Tod, weil sie glauben, dass er nicht das Ende ist, sondern ein Übergang, gar die Vollendung.

Ob es stimmt, ob dem wirklich so ist, dass das was wir hier sehen, nur einen Teilausschnitt vom Ganzen ist, werden wir nie wissen. Denn Wissen ist begrenzt. Wissen wird vom Kopf gesteuert. Glauben wird vom Herz gesteuert. Und ich vertraue meinem Herzen mehr als meinem Kopf. Weit mehr!


Text und Bilder: Silvia Cristini