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Worte. Alles ist vergänglich. Nichts bleibt. Was bleibt, ist Nichts. Und im Nichts ist alles enthalten. Und wie hier im Bild die Worte im Meer versinken, so werden auch diese meine Texte hier nur für eine Weile zu lesen sein. Dann werden sie gehen. Dann werden sie zu Worten, die im Meer versinken. 


Ich fühl wie du den Schmerz


Einem leidenden Tier in die Augen sehen und seinen Schmerz spüren, so, als würde es sich um den eigenen Schmerz handeln. Bilder von Krieg und Zerstörung, weinende Kinder und sich fühlen, als stünde man mittendrin. Einen Obdachlosen auf einer Bank sitzen sehen in alten Klamotten, seine Augen leblos und voller Trauer, und dies so in sich aufnehmen, als sässe man selbst auf dieser Bank ohne Hab und Gut, ohne Menschen, die einen lieben und tröstend in den Arm nehmen, die Kälte empfinden, die er von aussen erfährt, die abwertenden Blicke, sich heimatlos und allein fühlen, so als wären es wir und nicht er. Einen erkrankten Menschen begleiten und dabei beinahe seine körperlichen Symptome übernehmen.

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Mutter Erde weint. (Gemälde: Silvia Cristini)

Am Ende

Am Ende des Tages dann, trägt man einen ganzen Rucksack voller Gefühle mit sich und dieser drückt enorm schwer auf Schultern und Gemüt. Zuhause in den Spiegel schauend, erkennt man zwar sein Antlitz, doch darin spiegelt sich Trauer, Müdigkeit, Erschöpfung, Elend und Hoffnungslosigkeit. Wo ist die Freude geblieben, wo der Mensch, der einst gelacht und voller Zuversicht war?

Empathie

Diese Szenen erfahren Menschen, welche empathisch sind, sich also äussert gut in einen anderen hineinversetzen können, tagtäglich. Empathisch sein ist eine wundervolle Gabe, eine Gabe, die Hoffnung und Frieden bringen kann auf unserem ausgelaugten und geplünderten Planeten. Würde jeder etwas empathischer sein, denn die Anlage trägt jeder in sich, würde er sich besser in ein anderes Lebewesen hineinversetzen können, es besser wahrnehmen können und jeder würde sich zweimal überlegen, was er seinem Gegenüber antut oder zu ihm sagt.

Du und ich: Wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen. (Mahatma Gandhi)

Wie kann man mit solch einer Gabe umgehen, ohne dass sie überhand nimmt? Ohne dass wir uns darin verlieren, ausgelaugt werden, kraftlos und müde? Wir müssen lernen, was unsere Gefühle sind und was die Gefühle der anderen. Unsere eigenen Gefühle schwingen anders als die der anderen, doch um dies zu erkennen, bedarf es an Ruhe, Stille und Konzentration. Regelmässig Zeit für sich nehmen, sich selber besser kennenlernen, meditieren, in die Natur gehen. Erst wenn man sich selbst richtig kennt, sein Wesen erfasst hat, weiss man, was zu einem selbst gehört oder was zu einem anderen.

Empathische Menschen sind eine Bereicherung für unsere Welt. Sie können anderen Menschen die Hand reichen, sich in sie hineinversetzen, eine Stückweit in ihren Schuhen laufen und ihnen somit helfen. Doch immer wieder gilt es, zurück zu seinem eigenen Kern zu finden, sich selbst an die Hand zu nehmen und in die Stille zu gehen. Eins mit sich selbst zu werden. Sich rückverbinden, damit man wieder kraftvoll mit anderen in Verbindung treten kann.


Text und Bild: Silvia Cristini