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Worte. Alles ist vergänglich. Nichts bleibt. Was bleibt, ist Nichts. Und im Nichts ist alles enthalten. Und wie hier im Bild die Worte im Meer versinken, so werden auch diese meine Texte hier nur für eine Weile zu lesen sein. Dann werden sie gehen. Dann werden sie zu Worten, die im Meer versinken. 


  Herzensmenschen 


Was wäre, wenn all dies, das wir Leben nennen, nur ein ganz kleiner Ausschnitt ist vom grossen Ganzen? Was ist, wenn unsere Sicht viel zu begrenzt ist, um zu verstehen? Und was ist, wenn dies sogar von der Natur aus so gewollt ist, wir ansonsten absolut überfordert wären mit dem nahezu Unbegreiflichen?

Unbegreiflich, da nicht greifbar. Nicht mit unseren Händen, nicht mit unserem Verstand.

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Fühlbar​​​​​​​

Durchaus jedoch fühlbar. Fühlbar mit unserem Herzen. Doch in unserer sehr oberflächlichen Welt, findet unser Herz kaum Raum. Weder für solche Fragen, noch für Wärme, Menschlichkeit, Empathie. Der Verstand hat die Macht, will alles kontrollieren, wissen, erobern und erstreben, alles was es zu haben gibt. Der Verstand wirft mir sogar vor, dass ich, um das Leben zu ertragen, mir ein Leben nach dem Tod erhoffe. Alles Fantasien. «Nach dem Tod kommt nichts,» stänkert der Verstand.  «Träum weiter, Baby,» ruft er hinterher.

Haben versus Sein

Haben gewinnt. Sein verliert. Doch vom Haben haben wir nichts, vom Sein jedoch alles. Wow! Welch Widerspruch! Haben ist begrenzt, eingeschlossen in einen Raum, Gefängnis, Kerker. Sein ist frei, schwebend, Grenzen überwindend, nicht greifbar, da flüchtig wie ein Gas. Wer es besitzen will, verliert es. Verliert sich, fällt zurück in den Kerker. Manch einer zieht sich selbst die Ketten gerne jeden Tag von Neuem an, anderen werden sie angelegt und sie lassen es zu. Bitten gar darum.

Das Herz schreit. Es weint. Fühlt sich nicht beachtet, fühlt sich verlassen, verkannt, nicht geschätzt. Dabei ist gerade das Herz der Schlüssel zur Ewigkeit, zum Grenzenlosen, zum Wunderbaren, zur Wärme, Liebe, Lebendigkeit, zum Sein.

Der kleine Prinz

Wer kennt nicht die Geschichte vom kleinen Prinzen? Haben wir sie wirklich verstanden? So wirklich-wirklich? Oder hat der Verstand bereits in der Mitte der Geschichte abgeriegelt, sich wieder vorgedrängelt, breit gemacht und die Muskeln spielen lassen, grinsend?

«Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen (Verstand) unsichtbar.»

Der Verstand will alles wissen. Aber unser Wissen ist nur so weit, wie die Menschheit ist, die Wissenschaft grad erforscht hat. Und der Verstand hält daran fest. Ganz fest. Starr.

Das Herz aber, es glaubt, es fühlt, es öffnet sich, spendet Wärme, getraut sich an Orte, wo es kein Licht gibt, überwindet Grenzen, verbindet, ist mitfühlend, frei, loslassend und wiederfindend, Wahrheit suchend, auf dem Weg, der uns an jenen Ort führt, den wir mit dem Verstand nicht erfassen können.

Mutig

Herzensmenschen sind mutig, denn im Gegensatz zu den Verstandesmenschen, können sie sich nicht hinter einem Wissen verstecken. Der Verstandesmensch sagt: «Ich habe gehört, dass es so ist und nicht anders, weil es dort steht oder dieser oder jener es so gesagt hat.»

Der Herzensmensch geht seinen Weg, fühlend, folgt seinem inneren Kompass. Sie glauben. Sie vertrauen. Und dies muss reichen. 


Text und Bild: Silvia Cristini