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Worte. Alles ist vergänglich. Nichts bleibt. Was bleibt, ist Nichts. Und im Nichts ist alles enthalten. Und wie hier im Bild die Worte im Meer versinken, so werden auch diese meine Texte hier nur für eine Weile zu lesen sein. Dann werden sie gehen. Dann werden sie zu Worten, die im Meer versinken. Zu Texten in den Wind.



Silentium!


Religionsgemeinschaften haben ihre Kreuzgänge und andere abgeschiedene Orte, wie zum Beispiel Krypten, wo sie sich der Kontemplation hingeben können und wir haben unseren schönen Garten oder Balkon, wo wir als Oase und Zufluchtsort benützen dürfen. Ein Ort der Einkehr, ein Ort der Stille. Der perfekte Ort um abzuschalten, in sich zu gehen und zu meditieren. Die Klänge dazu bieten uns die Vögel und die Bienen, Libellen, der Wind, das Rauschen des Baches, der uns umgibt. Wer weder Garten noch Balkon hat, findet sicher irgendwo sein Paradies, zu dem er sich hingezogen fühlt und er seine Seele baumeln lassen kann. Wir können uns überall geborgen, uns überall Zuhause fühlen, sofern wir das Fundament genannt "Selbstliebe" in uns fest verankert haben. So kann man sagen, überall auf der Welt ist mein Zuhause, denn ich bin in mir Zuhause und was in mir ist, ist auch ausserhalb von mir.

Kloster

Ich begebe mich regelmässig in ein Kloster. Ich mag geschichtsträchtige Bauten, alte Gemäuer, die mir, wenn ich still bin, erzählen, was sie bewegt und nur darauf warten, dass ihnen jemand zuhört. Ich mag die Achtsamkeit der Ordensleute, wie sie jeden Schritt mit Bedacht vollziehen. Selbst wenn sie eine Kerze anzünden, dann geschieht dies voller Langsamkeit und Sorgfalt. Und ich mag die Krypta. Sie schenkt mir tiefe Stille und Geborgenheit. Einfach mal die Welt aussperren, sein lassen. Sie dreht auch ohne mich weiter. Welch befreiende Erkenntnis!

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Mit dem Wald "sein" und schweigen. Bild: Siehe Rubrik "Wald-Art"

Alles ist vergänglich

Wenn wir zum Beispiel im Garten oder Wald in der Stille sind und uns in magischer Art und Weise mit allem was um uns ist, verbunden fühlen, können wir beginnen, einzelne Wesen genauer zu betrachten. Da ist dieser wundervolle Baum, schon über 200 Jahre steht er da. Er war vor mir und ist, so Mensch möchte, auch nach mir noch da. Er überlebt mich. Da ist diese Rose, so wunderschön, ihre Farbe tiefrot, ihr Duft betörend, ihre Blätter spiralförmig angereiht, ihre Dornen so schmerzhaft, doch es ist ihr Schutz vor Mensch und Tier. Und doch kann sie morgen bereits verwelkt sein. So können wir uns bewusstwerden, dass alles vergänglich ist. Die Blume, die verwelkt, der Mensch, der sterben wird eines Tages. Und es darf uns bewusstwerden, dass wir jetzt in diesem Moment die Rose in voller Pracht geniessen dürfen. Sie verschenkt sich an uns. Und das Gleiche dürfen wir bei einem Menschen dankend wahrnehmen. Alles ist vergänglich und wir wissen nie, wann die letzte Stunde gekommen ist. 


Text und Bild: Silvia Cristini